May-Haus mit Erker an der Münstergasse
1514/15 liess der reichste Berner seiner Zeit, der Staats-, Kriegs- und Handelsmann Bartlome May (1445-1531) sein Haus vollständig umbauen. Der Erkerturm mit zwei polygonalen und reichem Masswerk ausgestatteten Geschossen aus Sandstein verbindet das Doppelhaus und wird von der Brustfigur eines Narren getragen.
Der ursprünglich aus Holz bestehende Spitzhelm des Turms verschwand um 1840. 1895 wurde der Erker um ein drittes Geschoss in Tudor-Gotik erhöht und erhielt dabei wieder einen Spitzhelm. Die plastische Figur eines Narren trägt das mit Masswerkbrüstungen verzierte Gebilde, das dem von Westen Kommenden als Auftakt zum Münster erscheint. Das Haus wurde 1985 renoviert.
Die May stammten aus Italien und hiessen ursprünglich Maggi. Der Enkel des Einwanderers, der Ratsherr Bartholomäus May (1445-1531), sprach Deutsch, Italienisch, Französisch und Latein, verkehrte mit Kaufleuten, Staatsmännern und Gelehrten und fand Verwendung als Gesandter nach Italien, Frankreich und Savoyen. Über den Fernhandel belieferte er Bern mit Südfrüchten, Spezereien, Baumwolle, Tuch, Leder, Eisen und Edelmetallen.
Der Kaufherr erstand die Herrschaften Amsoldingen und Toffen. Aus der französischen Beute von Novara brachte er 1513 einen jungen Bären heim, für den die Stadt den ersten Graben errichtete.
May, befreundet mit dem Dekan der bernischen Kirche Berchtold Haller und dem Stadtarzt und Chronisten Valerius Anselm, unterstützte den Maler und Dichter Niklaus Manuel und die Einführung der Reformation. Zwingli widmete ihm eine Schrift über das Abendmahl.

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Das May-Haus an der Münstergasse
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